Achterbahnfahrt an der Schweizer Börse

von Christian Hanss am in Finanz-Tipps. Kommentieren

Ein Wechselbad der Gefühle erlebte der Schweizer Aktienmarkt zu Beginn des Jahres. In den ersten Tagen kletterte der Swiss-Market-Index über die psychologisch wichtige Marke von 9.000 Punkten, ehe er binnen weniger Tage um 15 Prozent eingebrochen ist. Schuld daran war die Schweizerische Nationalbank (SNB). Mit ihrer überraschenden Abkehr von der mehr als drei Jahre andauernden Mindestkurspolitik hat sie fast alle Marktteilnehmer auf dem falschen Fuß erwischt. Offenbar glaubte die SNB nicht mehr daran, die Kursuntergrenze von 1,20 Schweizer Franken durchsetzen zu können und kehrte zu flexiblen Wechselkursen zurück.

Die Folge war eine massive Aufwertung des Franken gegenüber allen wichtigen Währungen. Zwischenzeitlich rutschte der Kurs allerdings kurzzeitig unter die Parität und schwankt seitdem um diese Marke.

Auch eine dramatische Zinssenkung konnte dies nicht verhindern. In der Folge sanken die Staatsanleiherenditen mit einer Laufzeit bis zu 10 Jahren deutlich in den negativen Bereich.

SNB-Präsident Jordan verteidigt den abrupten Kurswechsel und unterstreicht, dass der Mindestkurs stets als temporäre Maßnahme gedacht gewesen sei. Auch absehbare Veränderungen in der globalen Geldpolitik gab er als Grund für den Ausstieg an.

Eine Ankündigung wäre selbstredend eine Einladung an Spekulanten gewesen. Zumindest hätte man aber nicht noch den Mindestkurs zwei Tage vor der Abschaffung öffentlich bekräftigen müssen. Die SNB bleibt bis heute eine Erklärung schuldig, warum der Franken im jetzigen Umfeld nicht abermals einem übermäßigen Aufwertungsdruck ausgesetzt sein sollte. Bei einer Zuspitzung des Konflikts zwischen der Ukraine und Russland könnte dem sicheren Hafen Schweiz erneut Kapital zufließen. Negativzinsen dürften in Paniksituationen kaum hinreichend abschrecken. Die SNB könnte daher auch am Devisenmarkt stärker gefordert sein als ihr lieb ist. Da der abrupte Kurswechsel zudem viel Glaubwürdigkeit gekostet hat, dürften neue Devisenmarktinterventionen weniger effektiv sein als zuvor. Ob die SNB wie erhofft Flexibilität gewonnen hat, ist alles andere als sicher!

Experten vermuten, dass die SNB ein zu deutliches Absinken des Franken gegenüber dem Euro unter die Parität vermeiden möchte. Dies dürfte schwer genug werden, wie die ersten Marktreaktionen auf die Verkündung der EZB verdeutlicht haben, in hohem Volumen Anleihen zu kaufen. Eine weitere Zinssenkung könnte deshalb notwendig werden. Experten gehen davon aus, dass die Schweizer Wirtschaft darunter leiden wird, und haben die Wachstumsprognose für 2015 mehr als halbiert. Auch negative Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt sind wahrscheinlich. Eine Deflation sehen Marktbeobachter trotz einer im Jahr 2015 negativen Inflationsrate nicht.

Der Aktienmarkt hat sich mittlerweile zwar etwas erholt, die Unsicherheit bleibt aber dennoch. Vor allen die Frage, wie stark die exportorientierten Unternehmen künftig unter dem starken Franken leiden werden, beschäftigt die Anleger. Experten gehen davon aus, dass die nervöse Grundstimmung auch in den nächsten Wochen anhält. Mittelfristig rechnen sie wieder mit steigenden Notierungen.

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