Interview mit dem Komponisten Sami Hammi

von Sonja Braun am in Freizeit, Home, Wir stellen vor. Kommentieren

Durch ihn erwachen Filme zum Leben und werden zu „ganz großem Kino“: Sami Hammi, begnadeter Musiker und erfolgreicher Komponist für Film- TV und Bühnenmusik, begann seine musikalische Karriere im Tölzer Knabenchor sowie bei den Regensburger Domspatzen und bringt mittlerweile eigene Musical-Produktionen auf die Bühne. Was die Handschrift seiner Musik ist, warum Mickey-Mousing in seinem Beruf ein Fachbegriff ist und welche Rolle Disney bei seinen Kompositionen spielt, erklärt er in einem exklusiven Interview für die Stadtsparkasse München anlässlich seines neuen Musicals „One-Way Ticket to Heaven“, das im Oktober seine Deutschland-Prämiere im Gasteig München feiert.

 

  • Herr Hammi, auf Ihrer Homepage dreht sich Ihre Vita trotz vieler Auslandsaufenthalte immer wieder um die Stadt München. Wie klingt München?

München klingt für mich tatsächlich nach Heimat. Gerade die Aufenthalte im Ausland haben mir das immer wieder gezeigt. Hier habe ich den Englischen Garten, die Berge. Die Sicherheit. Sauberkeit und Ordnung. Das gibt ein beruhigendes Gefühl.

Musikalisch würde ich München und ihre Klänge mit der Wiener Klassikepoche beschreiben – vielleicht sogar „mozartantisch“. Obwohl ich bei den Domspatzen Mozart spielen musste und ihn als Komponisten nicht so sehr mochte wie BeethovenSami_2 oder Chopin. Aber wenn man älter wird, versteht man auch, warum er in diesen Harmonien und in dieser musikalischen Sprache komponiert hat. Jeder Komponist besitzt seine musikalische Sprache, seine Handschrift.

 

  • Die Handschrift und Sprache der Musik?

Zum Beispiel Hans Zimmer: Wenn man seine Musik hört, erkennt man seine Handschrift: Herr der Ringe, Fluch der Karibik, König der Löwen, das Geisterhaus. Das hat jeder Komponist. Witzigerweise ist mir das auch schon passiert: Bei einer Filmpremiere haben Leute eine Musik gehört und mir später erzählt, dass sie dachten, die Musik müsste doch von Sami Hammi sein – und tatsächlich haben Sie mich im Abspann gelesen. Da habe ich gemerkt: Super, ich habe schon meine eigene Sprache. Das sagen Freunde von mir auch, wenn sie Musik hören und sagen, das könnte von mir sein.

 

  • Finden Sie selbst, dass Sie als Person so klingen, wie Ihre Musik?

Ich weiß, dass ich einen Hang dazu habe, episch zu sein. Groß zu sein. In Deutschland ist es eher schwierig mit großer Filmmusik. Hier wird weniger und eher zurückhaltende Musik bevorzugt. Hollywood-Filme dagegen sind meist viel stärker angereichert mit musikalischer Untermalung. Deswegen freue ich mich jetzt schon, wenn ich mal in den Genuss komme, den ersten Hollywood-Film zu vertonen.

 

  • Sie haben auch viel für Kinder komponiert – und die Essenz der Musik sind Gefühle. Sind Sie Kind geblieben – oder wie geht das?

In jedem von uns steckt ein Kind. „Das Kind im Manne“, wie man so schön sagt und das ist sogar geläufiger als bei der Frau. An dieser Stelle kommt mir mein Bezug zu Disney zugute, da ich von Klein auf die ganzen Disney-Lieder aufgesogen habe. Mein großes Vorbild ist „Disneys Hofkomponist“ Alan Menken, der die Schöne und das Biest, Aladdin, Der Glöckner von Notre Dame, Pocahontas und die ganzen großen Disney-Stücke komponiert hat. Das ist mein größter Traum. Wenn ich es schaffe, für Disney zu komponieren, dann habe ich es geschafft. Wenn man für Kinder schreibt, dann ist es noch einmal eine andere musikalische Sprache. Gerade im Zeichentrick: Da gibt es zum Beispiel diesen Begriff „Mickey-Mousing“. Gezeichnete Figuren brauchen eine musikalische Unterstützung, um sie emotional zum Leben zu erwecken. Für mich gehören Kinder und Comedy einfach zusammen. Diese unschuldige Komik. Selbst düstere Musik hat dieses kleine Augenzwinkern dabei, das leicht Ironische. Natürlich würde ich für einen Erwachsenenfilm ganz anders komponieren als für Kinder.

 

  • Entwickeln Sie Ihre Ideen bereits beim Lesen des Drehbuchs oder erst beim Schauen des fertig geschnittenen Werks?

Die Ideen entwickle ich definitiv beim Lesen. Manchmal unterbreche ich das Lesen und setze mich ans Klavier und lasse meine Finger spielen zum Improvisieren.

Was ich aber immer tue, ist das leben, was ich komponiere. Ich versetze mich in die Situationen hinein. Bei dem Film „Bergblut“ gibt es diese Szene, in der die Protagonistin durch ein Lazarett voller Verwundeter geht. Ich spüre die ganzen Verwundeten und setze das in Musik um. Gesehen habe ich die Szene und den Schnitt schon vorher. Ich muss das nur noch spüren, damit der Zuschauer das Gefühl bekommt, er wäre dabei. Im echten Leben ist das ja nicht so. Wenn man sich küsst, sind ja (meistens) keine romantischen Streicher zur Stelle. Musik ist immer psychologisch. Es stellt sich immer die Frage: Wann hat Musik die Berechtigung, einzusteigen? Man sucht also gezielt nach Auslösern, die auch so klein sein können wie die Veränderung der Mimik. Bei Animationen ist es am extremsten, weil alles gezeichnet ist. Die Musik ist notwendig, um die Bilder zum Leben zu erwecken.

Gewinnt hier zwei Karten für „one-Way Ticket to Heaven“ am Donnerstag den 22. Oktober 2015.

 

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